Eutiner Hospizgespräche am 20. Februar 2025
Musik und Klänge als Brücke im letzten Lebensabschnitt
Christoph Salje, Musiktherapeut UKE
Zu diesem Thema gibt Christof Salje einen umfassenden Einblick. Er ist Diplom -Musiktherapeut und Heilpraktiker für Psychotherapie. Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Leitung der Musiktherapeutischen Instituts- und Lehrambulanz beim Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).
Er arbeitet gleichermaßen mit alten Menschen und mit Kindern. Hierbei ist der Therapieansatz nie gleich, sondern jeweils persönlich und fallbezogen. Die Musik wird hierbei nicht im traditionellen Sinn angewandt. Vielmehr sind es an die jeweilige Situation angepasste, improvisierte Klänge und Rhythmen, die ein Medium zwischen Patient/in und Therapeut bilden.
Christoph Salje berichtet von einer Patientin, die von ihrem Vater erzählte, er sei „ein richtiges Schwein" gewesen und dass sie ihn hasse. Dies sagt sie aber in einem sehr freundlichen, verbindlichen Tonfall.
Diese ganz offensichtliche seelische Diskrepanz war also aufzulösen. Sie wurde nochmals sehr deutlich, als die Patientin aus einer angebotenen Zahl von Musikinstrumenten die Triangel, also das leiseste Instrument auswählte. Hier stand also die Lösung bereit, ihr ganz plastisch die Widersprüchlichkeit ihrer Ausdrucksweise bewusst zu machen.
Das Therapiegespräch wird also durch Interaktion erweitert, die als Ergänzung zum Gespräch den Ausdruck von Emotionen durch Instrumente zulässt.
Am Anfang des Lebens kann man bereits mit dem Baby, also im präverbalen Stadium, Kontakte durch vorsichtiges rhythmisches Schaukeln aufbauen.
Am Ende des Lebens bekommt die Musiktherapie dann eine ganz besondere Bedeutung als andere Form der Psychotherapie. Sie kann helfen, schweren seelischen Druck zu mildern sowie Ängste zu reduzieren und schafft oft emotionale Geborgenheit. Dies wäre allein durch Worte oft nur sehr schwer zu erreichen und ist bei Patienten, die verbal nicht mehr kommunizieren können fast unmöglich. Außerdem kann der Klang dem Patienten helfen, auf der Gefühlsebene zu erkennen, wer er – noch – ist.
Unterschiedliche Instrumente, angepasst an die jeweilige Situation des Patienten, ermöglichen hierbei eine Entspannung:
- die Ocean Drum, eine mit kleinen Kugeln gefüllte Trommel,
- die Klangschale, auch zusammen mit der Stimme,
- das Monochord, ein Klangkörper mit einer über einem Holzkasten gespannten Saite und
- die Leier.
Diesen Behandlungen liegt die Erkenntnis zugrunde, dass im Alter zwar das Hörvermögen abnimmt, das Gehör selbst aber noch lange erhalten bleibt.
In der palliativen Situation muss der Patient hierbei selbst entscheiden können, was er braucht und was gerade nicht. Im günstigsten Fall kann er entspannt loslassen.
Bei all diesen Möglichkeiten weist Christoph Salje mit aller Entschiedenheit darauf hin, dass klar sein muss, was der Patient selbst wirklich will. Würde man ihm z.B. Musik oder Klänge vorspielen, die er in seinem bisherigen Leben überhaupt nicht mochte, wäre das natürlich auch in dieser Situation nicht hilfreich, sondern übergriffig. Gerade wenn eine Kommunikation nicht mehr oder kaum noch möglich ist, soll man deshalb im Zweifelsfall lieber auf jeglichen Klang verzichten.
Detlev Seibler
