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Eutiner Hospizgespräche 20. März 2025

Wieso, weshalb, warum?
Humor als Ressource für Betreuende und Betreute –
Zwei Klinikclowns stellen ihre Arbeit vor

Rosanella und Norbert, beide im Clownsgewand und mit roter Nase, betreten die Bühne. Sie wollen singen, Norbert kann aber nicht, weil er den Mund voll hat und seine Gitarre nicht findet, die auf seinem Rücken hängt. Und ohne Instrument, also „Acapulco" oder so, wollte er auch nicht singen. Nach Rosanellas Hinweis auf seine Hosenträger, von denen Norbert plötzlich drei spürt, erkennt er den dritten als Gitarrengurt und das Spiel beginnt.

Reiner Lichtenstein und Anna-Maria Bleicker übermitteln mit ihrer Tätigkeit als Clowns den Patienten Freude, Farbe, Licht, Leichtigkeit, Entspannung, Impulse und positive Energie.

Humor sehen sie als eine Lebenseinstellung, die es möglich macht, über die Situation und sich selbst zu lachen, auch in schweren Lebenssituationen. Die Figur des Clowns leitet sich vom Hofnarren des Mittelalters ab, der sich alle Späße erlauben konnte, weil der Herrscher in ihm keinen Konkurrenten sah und seine Späße als absichtslos bewertete.

Der Clown heute reagiert auf das, was ist und nimmt es an, ohne es zu bewerten.

Da er eng mit seinem Publikum verbunden ist, darf er mit dem Einverständnis der Patienten auch Grenzen überschreiten. Wenn der Patient aus Angst eine Grenze setzt, wird das natürlich sofort akzeptiert. Manchmal aber können die Clowns durch behutsames Vorgehen ihm diese Angst nehmen und ihn in ihr Spiel aufnehmen.

Angehörige lehnen die Clowns aus Sorge um den Patienten gelegentlich ab.

Wenn aber zuvor bereits ein Kontakt zum Patienten geschaffen wurde, können die Angehörigen dann oft doch miteinbezogen werden, so dass die Vorbehalte abgebaut werden.

Auch wenn das Spiel der Clowns so leicht und heiter wirkt, steckt bei den beiden viel Auseinandersetzung mit dem Thema Sterben und intensive Übung dahinter.

Dazu gehören einschlägige Seminare und Fortbildungen genauso wie das Erlernen spezieller Techniken und Fähigkeiten wie Musik und Gesang, Zaubern, Jonglieren, Dichten, Pantomime und Improvisation.

Rainer/Norbert ist, wenn er sich die rote Nase aufsetzt, automatisch in einem anderen „Space". Er fühlt sich sicher und geborgen, diese Haltung gibt ihm die Freiheit, alles anzunehmen, was ihm als Clown begegnet. „Als Clown will ich von niemandem etwas". Das mag auch der Grund sein, dass die Menschen auf der Station ihm dann vertrauen und ihm oft sehr intime Dinge erzählen, die sie gerade beschäftigen. Er hat sich hierfür die Ahnungslosigkeit eines Kindes zurückgeholt.

So sorgt die Clownsvisite wegen der persönlichen Zuwendung für einen Atmosphärenwechsel und kann emotionale Entlastung, Freude und Lebensqualität bringen. Muskeln können sich entspannen, sogar Schmerzempfindungen nachlassen.
Das Fazit der Clownsarbeit beim Patienten ist somit:
Ankommen – Bleiben – Annehmen – Lächeln – Vertrauen gewinnen – Verwandeln – Danken – Weitergehen.
Als Brigitte Maas den Clowns zum Schluss dankte, setzte sie spontan ihre mitgebrachte Clownsnase auf und die Clowns sangen: Die Dritte in der Mitte ist Brigitte.

Ein toller Abschluss für diese letzten Eutiner Hospizgespräche mit Brigitte als Vorsitzende.

Detlev Seibler

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