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Stand: 25.11.2011

Wir können dem Leben nicht mehr Stunden geben,
aber den Stunden mehr Leben.
 

Archiv

2011-Nov Die Bedeutung von Ritualen – Rituale als Ressourcen

2011-Sep Wie verkrafte ICH die tödliche Krankheit eines lieben Menschen?

2011-Juni Eutiner Hospizgespräche - “Suizid - was tust du mir damit an?”

2011-Mär Altern als Lebenskunst – von negativen Altersbildern zur Würde des Alters

2010-Nov Film-Matinee

2010-Okt Gospelkonzert

2010-Jun Krebs – wie komme ich da durch

2010-Jun Jahreshauptversammlung

2009-Jun Lotsenhaus Altona

2009-Juni Offener Kanal Lübeck

2009-Feb Klausurtagung in der Gustav-Heinemann Bildungsstätte Bad Malente

2008-Sep Wenn die Clownin Trauer trägt

2007-Sep 10. Hospizgeburtstag

2007-Sep Daniela Tausch “Noch einmal sprechen vom Glück der Hoffnung”

2007-Mär EutinerInnen im St Christopher´s Hospice in London

Eutiner Hospizgespräche November 2011

Bei den Eutiner Hospizgesprächen am 17.11. 2011 in der Kreisbibliothek Eutin waren die Reihen wieder gefüllt mit Interessierten. In ihrem Vortrag referierte Nadia Götz, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, tätig in der Malenter Curtius-Klinik, über „die Bedeutung von Ritualen – Rituale als Ressourcen“ und nahm die mehr als 50 Zuhörer mit auf eine Reise in die Welt der Rituale. Das vielschichtige Thema wurde aus wissenschaftstheoretischer, aber auch ganz praktischer Perspektive der alltäglichen Erfahrung beleuchtet. „ Dinner for one“ und auch Loriots „Weihnachten bei Familie Hoppenstedt“ zeigten als anschauliche und heitere Beispiele stark ritualisierte Abläufe mit hohem Wiedererkennungswert.

Rituale erzeugen und festigen soziales Miteinander, sie helfen Menschen, zu ordnen und zu strukturieren und sich als Gemeinschaft wahrzunehmen, sie unterstützen uns dabei, Veränderungen und Krisen zu überstehen. Frau Götz stellte auch Aspekte der aktuellen Hirnforschung zur Bedeutung von Ritualen dar, ein Forschungsbereich, der spannende Einblicke in die biologischen Grundlagen unseres menschlichen Verhaltens bietet.

Es wurde deutlich, dass Rituale auch in unserer modernen Gesellschaft bis heute überall stattfinden, sei es als religiöse oder staatliche Zeremonie, im Weihnachtsfest, in Bestattungsritualen oder als Alltagsritual, z.B. dem abendlichen Vorlesen am Kinderbett.

Gerade wenn sich im engen Kontakt mit Sterbenden oder Trauernden Kummer oder tiefe seelische Not zeigen, können Rituale stabilisieren, Mut machen. Wenn für diese Menschen jeder Sinn in Frage gestellt wird, wenn alles, was vertraut ist, schwindet und nicht mehr gültig ist, dann ist es gut, wenn Begleiterinnen oder Begleiter wieder einen Weg vermitteln können über Rituale. Im dunklen Herbstmonat November, an dem die Gedenktage jährlich wiederkehren, helfen Rituale, Verluste und Abschiede erträglicher zu machen.

Eutiner Hospizgespräche September 2011

Im Rahmen der Reihe „Eutiner Hospizgespräche“ hatte die Hospizinitiative Eutin in die Kreisbibliothek Eutin
am 15.September 2011 eingeladen zu einem Abend mit dem Thema “Wie verkrafte ICH die tödliche Krankheit eines lieben Menschen?”

Mit professioneller Sachlichkeit, dabei jedoch auch großem Einfühlungsvermögen referierte die erfahrene Palliativmedizinerin, Schmerztherapeutin, Anästhesistin und Psychotherapeutin Annette Schmitz, die auch Vorsitzende des Neustädter Hospizvereins „Beistand am Lebensende“ ist.
Im Mittelpunkt standen an diesem Hospizabend die nahen Angehörigen, Freunde, Partner, die damit konfrontiert sind, dass der unheilbar erkrankte Angehörige an seinem Lebensende angekommen ist, vielleicht sogar bereits im Sterben liegt.
Mit einer Balance zwischen Distanz und Nähe und mit einer Selbstfürsorge kann diese Situation für die Beteiligten erträglicher werden. Die Referentin zeigte anhand der verschiedenen Phasen die jeweiligen Schwerpunkte der Begleitung des Sterbenden auf.
Wie bereits bei den bisherigen Eutiner Hospizgesprächen war auch an diesem Abend ein großes Forum mit etwa 70 Personen anwesend.

Eutiner Hospizgespräche Juni 2011

Regelmäßig bietet die Hospizinitiative Eutin in der Kreisbibliothek Hospizgespräche an mit der Zielsetzung, verschiedene Themen die mit Tod und Sterben zu tun haben, in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Diese Gespräche sollen informieren, aber auch Denkanstöße und Hilfestellung geben. So fand u.a. auch am 16.06.11 eine gut besuchte Veranstaltung zu dem Thema. „Suizid – was tust du mir damit an?“ mit dem Referenten Dr. Wolf-Rüdiger Jonas statt.

Dr. Jonas ist Psychiater und arbeitet als leitender Arzt in der Fachklinik Heiligenhafen. Er betreut Patienten, die einen Suizid versucht oder angedroht haben. Er zeigte in Statistiken, dass die größte Häufung der Menschen, die den Weg der Selbsttötung wählen, Männer im höheren Lebensalter sind. Bei den Suizidversuchen sind es vor allem die jüngeren Frauen, die statistisch auffallen.

Dr. Jonas ist in vielen Gesprächen zu dem Ergebnis gekommen, dass nicht nur das Zuhören, sondern auch das Hinhören ganz wichtig ist. Jeder von einem potenziellen Suizidkandidaten Angesprochene sollte den Mut haben, direkte Fragen zu stellen und nicht, wie oft geglaubt, nach dem Motto verfahren: „Bellende Hunde beißen nicht!“ – Sie beißen!!

Im psychiatrischen Team wird das Vertrauen und auch die oft gewünschte Schweigepflicht nach außen gewahrt. Hierdurch kann der Suizidversuch in seinen verschiedenen Gesichtspunkten bearbeitet werden und der Patient kann wieder in sein Umfeld zurückkehren.

Menschen, die sich mit diesem Thema konfrontiert sehen, sollten Hilfe aus Fachkreisen holen, zum Beispiel beim Hausarzt, in einer psychologischen Beratungsstelle oder beim Sozialpsychiatrischen Dienst, der über die Notrufzentralen tag und Nacht erreichbar ist. Es ist für Außenstehende oft extrem schwer, eine Suizidabsicht zu erkennen. Schuldgefühle und die oft gestellte Frage, warum habe ich es nicht erkannt, (und vor allem auch verhindern können,) belasten ihr weiteres Leben.

Ein hilfreiches Begleitbuch zu diesem Thema schrieb Chris Paul mit dem Titel: „Warum hast du uns das angetan?“ (Gütersloher Verlagshaus , ISBN: 978-3-579-06812-1 ) 

Sie beschreibt, dass diese im Buchtitel genannte Frage gegen ein Tabu verstößt. Nach einer Selbsttötung wagen es Angehörige meist nicht, ihre eigenen Gefühle der Einsamkeit, Wut und Ohnmacht in den Mittelpunkt zu stellen.

Chris Paul ist selbst Betroffene und schrieb 1998 ihr erstes Buch. Inzwischen hält sie viele Lesungen und Vorträge und diskutiert mit und vor einem breiten Publikum.

Ein Thema, das kein Tabu bleiben darf und somit wird die Hospizinitiative Eutin zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu einem Gesprächsabend zum Thema Suizid einladen.

Annegret Pistol /Brigitte Maas   19.6.2011

Eutiner Hospizgespräche März 2011

Am Donnerstag, 17.März 2011 sprach Prof. Friedhard Zastrow, Theologe und Psychotherapeut, Vorsitzender der Hospizinitiative Plön, über das Thema „Altern als Lebenskunst – von negativen Altersbildern zur Würde des Alters“ Die Hospizinitiative Eutin gab Gelegenheit, mit diesem Thema ins Gespräch zu kommen, da das Altern ein unmittelbar benachbarter Gesichtspunkt von Hospizarbeit ist. Das Älterwerden wird oft als ein Prozess erlebt, in dem zunehmend Fähigkeiten oder Kompetenzen verloren gehen, in dem es „auf den absteigenden Ast“ geht, an dem das Ende winkt. Positive Aspekte des Älterwerdens wie mehr Reife, mehr Gelassenheit, einen bestimmten Status erreicht zu haben, das Rentenalter auch mal als Chance für etwas Neues zu sehen, wird häufig ausgeblendet. Besonders die Angst vor dem Sterben und dem Tod wird von vielen Menschen tabuisiert und hat dadurch einen hochgradigen Einfluss auf die Lebensqualität, die durch Verleugnung, Abwertung und Vermeidung unnötig eingeschränkt wird. Nach dem Vortrag von Professor Zastrow gab es ausführliche Gespräche miteinander.

 

Film-Matinee in der „Alten Hofapotheke“ der Sparkasse Holstein in Eutin,

Mit dem neu erworbenen Beamer, den die Sparkasse Holstein mitfinanziert hat, wird der Film „Ob ihr wollt oder nicht“ mit Senta Berger, Christiane Paul, Julia-Maria Köhler & Jan Gregor Kremp uva. gezeigt.
Zum Inhalt: Laura, Ende 20 und die jüngste von vier Schwestern, hat Krebs, bricht die Chemotherapie ab und kehrt in ihr Elternhaus zurück, wo sie mit ihren Eltern und ihren drei unterschiedlichen Schwestern aufeinandertrifft. Das Ziel der Familie: Laura zur Wiederaufnahme der Behandlung zu bewegen - und dann schnell wieder weg, haben sie sich doch eigentlich überhaupt nichts zu sagen... 

Nach der Filmvorführung wurde in einem engagierten Gespräch der ZuschauerInnen die im Film gezeigte Problematik, auch mit der Fragestellung des Wunsches nach Sterbehilfe, beleuchtet.

Brigitte Maas

Gospelchor „Voice-Company“ sang für die Hospizinitiative Eutin anlässlich des Internationalen Hospiztages

Mitreißende Lieder und bewegende Klänge konnten die vielen Gospel- und Hospizfreunde in der vollbesetzten Sankt-Marien-Kirche anlässlich des Internationalen Hospiztages, der am 10. Oktober begangen wird, genießen. Mit Kerzen und dem rhythmischen afrikanischen Gospel „Sana Sananina“ zogen die Sängerinnen und Sänger des Gospelchores „Voice-Company“ der Kreismusikschule und der VHS Eutin ein und brachten ein kompaktes Programm mit ausgezeichneten Solisten, einer glänzenden Performance und berührenden Überleitungen durch die routinierte Chorleiterin Gudrun Köppe. Nur wenige Liedern waren bekannt wie „O when the Saints…“ in einer Version zum Mitsingen sowie dem berühmte „Amen“. Die anderen Lieder, besonders die zweite Hälfte mit afrikanischen Titeln, waren weitgehend unbekannt. Dies hielt die Chorleiterin nicht davon ab, mit „Imela yelele“ gemeinsam mit dem Publikum ein Klanggemälde zu erzeugen, das den Kirchenraum erfüllte. Nicht immer gut ausgesteuert war die Band mit dem bekannten vielseitigen Pianisten Thomas Goralczik, dem exzellenten Gitarristen Wolfgang Kleinschmidt, dem langjährigen multitalentierten Bassisten Dirk Maas und dem sehr kurzfristig eingesprungenen Henrik Heidenreich, der eine erstaunliche Leistung hinlegte.
Die über 30 bei diesem Auftritt aktiven Chormitglieder waren mit konzentrierten, aber strahlenden Gesichtern nicht nur ein Ohren- sondern auch Augenschmaus durch die bunten Seidenschals über schwarzer Bekleidung in der ersten Halbzeit. Später dann in afrikanisch dekoriertem Outfit, die Chorleiterin im afrikanischen Batik-Kleid, wurden von dumpfen Trommelklängen begleitete afrikanische Kirchenlieder zu Gehör gebracht. Wie selbstverständlich wurde alles auswendig vorgetragen, sonst wären die rhythmischen Bewegungsfolgen synchron zu den Liedern kaum möglich.
In seiner Begrüßung wies der Vorstand des Pfarrgemeinderates Uwe Kuczorra auf die gute Zusammenarbeit zwischen der katholischen Pfarrgemeinde und der Hospizinitiative Eutin hin.
Kurz erläuterte die Vorsitzende Brigitte Maas, dass das Benefiz-Konzert vorbereitet wurde, um auf die Anliegen der Hospizbewegung im Allgemeinen und die Hospizarbeit vor Ort im Besonderen aufmerksam zu machen und für die ehrenamtliche Arbeit der Hospizbegleiter zu sammeln. Das hat sich dann auch nach dem Konzert gelohnt: Unter den wogenden Klängen des gemeinsam gesungenen„Amen“ beim Auszug des Chores und der Zuhörer kamen 819,56 € zusammen.

Brigitte Maas

Hospizgesräche Juni 2010

Mit großer Aufmerksamkeit verfolgten über 40 Teilnehmer die Ausführungen des Onkologen Dr. Gerdt Hübner bei den 3. Eutiner Hospizgesprächen in der Kreisbibliothek Eutin. Hübner berichtete anschaulich unter der Fragestellung „Krebs – wie komme ich da durch“ über die Häufigkeit dieser Erkrankungen und Ursachen der Krebsentstehung. Zahlen zu Behandlungsdaten wurden durch Grafiken verdeutlicht. Durch das Krebsregistergesetz in Schleswig-Holstein liegen detaillierte Informationen für unser Bundesland vor.

Welche Behandlungsmöglichkeiten die moderne Krebstherapie bietet wurde eingängig skizzenhaft dargestellt.

Aber auch über die psychosozialen Folgen einer Krebserkrankung und ihre Bedeutung für die Patienten und ihre Angehörigen wurde gesprochen. Angst und Ohnmachtsgefühle stehen häufig als große Barrieren zwischen dem Kranken und seiner Umwelt, Verlust der Orientierung führt zu großer Verunsicherung. Die lebensbedrohliche Krankheit verändert das Verhalten und die Kommunikation.

In dieser Situation ist wichtig, der krebskranken Person nahe zu sein, Liebe und Wertschätzung zu versichern, auch miteinander zu weinen und nach den Gefühlen zu fragen.

Ziel ist es, aus der Lähmung herauszukommen. Empfohlen werden Entspannungsverfahren, ein sportliches Bewegungsprogramm, eine gesunde Ernährung und eine aktive Krankheitsverarbeitung durch Information. Wo es angebracht ist, können Selbsthilfegruppen unterstützen, eventuell auch antidepressiv wirksame Medikamente. Auf jeden Fall hilfreich ist die Aktivität, auch als Schutz vor Vereinsamung.

Zum Abschluss der interessanten und sehr unterhaltsam und gut verstehbar vorgetragenen Informationen gab Gerdt Hübner noch wichtige Hinweise, dass durch eine solche Krankheitsgeschichte für den einzelnen Menschen auch Chancen und Möglichkeiten entstehen: die Welt neu zu sehen, Werte zu überprüfen, Schönheit und Geheimnis zu erkennen, Nähe neu zu (er)leben, dankbar zu werden für Grosses und für Kleines und persönlich zu reifen.

Die Hospizinitiative verbuchte den zahlreichen Besuch der Veranstaltung und die lebendige und offene Diskussion als großen Erfolg.

Jahreshauptversammlung 23.Juni 2010

Die diesjährige Jahreshauptversammlung der Hospizinitiative Eutin fand im Saal des DRK-Pflegezentrum in der Waldstraße statt und begann vor Eintritt in die Tagesordnung mit einer Führung durch das Haus.
Die Pflegedienstleitung Cornelia Jung gab Informationen zum Konzept des Hauses, zur Aufteilung in die verschiedenen Schwerpunkte wie zum Beispiel Demenzbetreuung oder palliative Pflege. Mit Interesse wurde auch der „Raum der Stille“ besucht.
In einem Kurzreferat erläuterte Frau Jung das Pflegeleitbild, das verbindlich für die einzelnen Wohnbereiche gilt.
Es gab keine Überraschung bei den Wahlen: Wiedergewählt wurde die erste stellvertretende Vorsitzende Silke Eckeberg ebenso wie die Beisitzerin Birgit Stender. Mit Routine wurde die Tagesordnung abgearbeitet.
Großen Raum nahm der Rechenschaftsbericht des Vorstandes ein: die zahlreichen Aktivitäten des 190 Mitglieder fassenden Vereines mit zwei hauptamtlichen Kräften und über 40 aktiven Begleiterinnen und Begleitern konnten nicht alle namentlich benannt werden.
Es wurden im Jahr 2009 insgesamt 53 Begleitungen bei Sterbenden zuhause und weitere 23 Begleitungen im Sankt-Elisabeth-Krankenhaus durch Ehrenamtliche unter der Koordination der hauptamtlichen Hospizfachkräfte geleistet. Die Ehrenamtlichen haben alle einen Befähigungskurs nach dem vom Bundesministerium empfohlenen Currikulum absolviert und sind fortlaufend in Supervisionsgruppen engagiert. Hierdurch werden auch die Kriterien erfüllt, die im § 39 a SGB V gefordert werden, wenn ein Verein Fördermittel zur Finanzierung der Hauptamtlichen in Anspruch nehmen will.
Die Hospizzeitung mit jährlich zwei Auflagen ist ein gutes Aushängeschild, ebenso wie die Homepage (www.hospizinitiative-eutin.de), die die Arbeit des Vereines mit ihren Schwerpunkten gut abbilden.
Außer den eigenen Fortbildungsveranstaltungen wurden auch durchgeführte Schulungen, gut besuchte öffentliche Veranstaltungen und die Vernetzung mit den umliegenden Vereinen, Organisationen und dem übergeordneten Hospiz und Palliativverband als Landesverband aufgeführt.
Der Kassenbericht zeigte eine stabile Finanzsituation, zu der auch die sparsame Haushaltsführung beiträgt. Zahlreiche Spenden ermöglichen eine solide Vereinsarbeit mit den Schwerpunkten Sterbebegleitung, Schulung und Öffentlichkeitsarbeit. Die Beschäftigung der Hauptamtlichen ist durch die Finanzzuweisungen aus dem Topf der § 39 a in den kommenden Jahren gesichert.

Brigitte Maas

Lotsenhaus Altona

Es ist schon fast Tradition, dass einmal im Jahr die Begleiter/innen gemeinsam mit dem Vorstand einen Ausflug machen. Zum einen, dass Vorstand und Begleiter/innen sich besser kennenlernen, aber auch als kleines Dankeschön für deren ehrenamtlichen Einsatz. Ziel in diesem Jahr war das Lotsenhaus in Hamburg, einem Haus für Trauer und Bestattungen, aber auch Schulungen. Wie auch in
den Vorjahren hatte Hanne Andrae die Planungs- und Vorbereitungsarbeiten übernommen. Ein herzlicher Dank für die damit verbundenen Mühen.

Alle, die mit konnten, trafen sich am Sonnabend, den 13. Juni 2009 um 12.30 Uhr am Bahnhof und los ging die gemeinsame Fahrt, Umstieg in Lübeck, in Hamburg dann mit der S-Bahn Richtung Altona. Allein die Fahrt bot schon Gelegenheit sich auszutauschen, da zwangsläufig sich immer neue Gruppen bildeten. Das Lotsenhaus hatte aus Anlass seines zweijährigen Bestehens zu einem „Tag der offenen Tür“ geladen. Nach kurzer Verschnaufpausebei Kaffee und Kuchen wurden wir durch die Räume geführt und dabei wurde verdeutlicht, dass Angehörige ganz individuell Abschied nehmen können. Ihnen wird die Zeit und Unterstützung gegeben ohne Unterschiede, ganz auf ihre persönlichen Bedürfnisse ausgerichtet. In einem der Räume stand eine kleine Auswahl Särge. Einer beeindruckte mich besonders. Den hatte eine alte Dame, die auf ihren Tod wartet, mit bunten Blumen bemalen lassen.
Danach hatten wir bis zu unserem Essen in einer Pizzeria noch genügend Zeit für einen langen Spaziergang. Ich bin ganz begeistert, wie grün Hamburg ist und wie schnell man an der Elbe sein
kann. Nach dem Essen ging es dann wieder zurück ins Lotsenhaus. Dort gab das Trio „Hafennacht“ ein Konzert mit Liedern der Seefahrt, die ja auch immer von Trennung und Abschied künden.
Aus Zeitgründen mussten wir leider vorzeitig gehen, um unseren
Zug nicht zu verpassen. Es war in jeder Hinsicht ein gelungener Ausflug.
Danke an Vorstand und Organisatorin.

Hanne Lamp
 

Offener Kanal Lübeck

Im Juni 2009 erhielt die Hospizinitiative Eutin e.V. eine Einladung vom Offenen Kanal Lübeck, sich in der Sendereihe „Engagiert – Vereine stellen sich vor“ zu präsentieren. Gern nahmen wir dieses Angebot an. So hatten wir Gelegenheit – untermalt durch von uns ausgewählte Musik – der Öffentlichkeit unseren Verein vorzustellen.

Etwas aufgeregt und mit einem Kribbeln im Bauch trafen wir uns am 16. Juni im Senderaum des Offenen Kanals in Lübeck. Wir, das waren Brigitte Maas, Martina Wendler, Margit Nepf und ich, Annegret Pistol.

Herr Toelsner, unser Gesprächsmoderator, führte ein lockeres Vorgespräch mit uns und dann ging es mit leichtem Herzklopfen in den Aufnahmeraum.Es war für uns vier die erste Radioaufzeichnung, welche am 18. und 20. Juni im Offenen Kanal Lübeck gesendet wurde.

Brigitte Maas berichtete über unseren Verein, dessen Zweck und Ziele, sowie über unsere Arbeit. Martina Wendler erläuterte den Unterschied zwischen dem ambulanten und stationären Hospizdienst und sprach später über unser Vereinsleben. Margrit Nepf und ich erzählten über konkrete Begleitungen und die oft gestellte Frage „Warum machen Sie diese Hospizarbeit?“

Wichtig ist mir zu betonen, dass wir der Schweigepflicht unterliegen und daher, wenn wir über Begleitungen öffentlich berichten, dieses stets anonymisiert und mit Erlaubnis der zu begleiteten Person oder deren Angehörigen machen. Diesen Grundsatz haben wir natürlich auch bei der Sendung im Offenen Kanal Lübeck beachtet.

Wir hätten gern mehr und im Nachhinein vielleicht auch etwas anders berichtet, aber wenn man zeitlich begrenzt am Mikrofon steht und auch die Zwischenfragen des Moderators beantworten muss, merkt man gar nicht, wie rasch die Zeit vergeht. Gleichwohl, wir erhielten viele positive Rückmeldungen nach der Sendung , über die wir uns sehr gefreut haben.

Uns hat diese Sendung ganz viel Spaß gemacht und sie war eine neue, positive Lebenserfahrung. Gern würde ich hier mehr darüber berichten, aber das würde den vorgegebenen Rahmen sprengen.

Falls ich Sie etwas neugierig gemacht habe und Sie den Wunsch haben, mehr oder gar die ganze Sendung hören zu wollen, so können Sie die CD-Aufzeichnung dieser Sendung im Hospizbüro entleihen.

Annegret Pistol 

Klausurtagung 27.2. bis 28.2. in der Gustav-Heinemann Bildungsstätte in Bad Malente

Zur zweitägigen Klausurtagung waren der Vorstand inklusive unseres Ehrenvorstandsmitgliedes Hanne Lamp sowie die beiden hauptamtlichen Hospizfachkräfte komplett vertreten. Unter der Leitung des Unternehmensberaters Hans Freerk aus Eutin wurde ein straffes Programm durchgearbeitet mit Theorie und Praxis zu Selbsteinschätzung, Kommunikation, Effizienzsteigerung der Vorstandsarbeit und Marketing ( wie machen wir unser Anliegen bekannt, wie können wir die Hospizidee verbreiten, wie gewinnen wir Sponsoren, neue Aktive und neue Mitglieder).

Alle haben von der guten Atmosphäre im Tagungshaus, der stringenten und sachlichen Gruppenarbeit und dem persönlichen Kontakt am Abend und während der Mahlzeiten profitiert und sind mit neuen Impulsen nach Hause gefahren.

“Wenn die Clownin Trauer trägt”

„Was hat eine Clownin mit Trauer zu tun?“ haben sich sicher viele gefragt, die am 03.September 2008 in die Kreisbibliothek Eutin kamen? „Wenn ich einen geliebten Menschen verloren habe und im Grau der Traurigkeit eingetaucht bin, was will mir dann schon ein bunter Clown sagen“.
Sophia Altklug alias Kristin Kunze aus Nümbrecht hat uns in ihrem Theaterstück so anschaulich, so herzerwärmend menschlich dargestellt, wie der Clown in uns -selbst in dieser Ausnahmesituation- helfen kann, die verschiedenen Täler der Trauer zu durchschreiten.
Das Wort Clown stammt vom Italienischen „Colonia“ und bedeutet Neuland zu betreten. Jede/r Trauernde wird, ob er will oder nicht, gezwungen, Neuland zu betreten.

Er wird überwältigt von Schmerz, Angst, Wut, Einsamkeit und vielen anderen Gefühlen in einer nie da gewesenen Intensität. Ein Anderer erstarrt, zieht sich zurück, baut eine Mauer.

Nichts ist mehr, wie es war, die Welt steht Kopf.
Das Clowneske in uns, das Authentische, Neugierige, ja, das unbedingt Lebensbejahende –egal ob wir scheitern oder nicht- führt uns zurück zu den Farben des Lebens. Erst kommt das Blau zurück, dann das Grün, das Gelb, das Rot....
Lange noch klang der Abend aus in regem Austausch, denn wir alle haben wohl an diesem Abend Neuland betreten dank Sophia Altklug.


10. Hospizgeburtstag im September  2007

Mit der Vereinsgründung vor 10 Jahren wollten wir einen ambulanten Hospizdienst aufbauen, der mit ehrenamtlichen Helfern zu den Sterbenden nach Hause geht, um diese Menschen am Ende ihres Lebens und auch ihre Angehörigen nicht allein zu lassen, sondern zu begleiten.
Hierzu gehörte zunächst einmal, geeignete Menschen zu finden, die bereit waren, sich ehrenamtlich für diese Aufgabe zur Verfügung zu stellen. Im Jahr 1998 führten wir dann mit finanzieller Unterstützung durch das Sozialministerium eine sehr gut besuchte Serie mit zehn Veranstaltungen durch, um die Öffentlichkeit über unser Anliegen zu informieren und uns als Verein bekannt zu machen.
Im Jahr 1999 kamen die ersten Schulungen. Wir bildeten „Sterbebegleiter“ aus nach dem vom Bundessozialministerium empfohlenen Curriculum der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz.
Seit 2003 werden wir unterstützt durch unsere halbtags hauptamtlich eingestellte Hospizfachkraft, die Krankenschwester Frau Martina Wendler, die über die §39a-Gelder finanziert wird. Seit Herbst 2006 haben wir noch eine Kraft mit einem Teilzeit- Beschäftigungsverhältnis eingestellt, die Sozialarbeiterin Frau Hannelore Radloff.
Frau Wendler und Frau Radloff sind für die Koordination der Begleitungen, die Schulung und Beratung der Begleiterinnen und Begleiter und für weitere professionelle Aufgaben zuständig.  Gemeinsam mit den Begleiterinnen und Begleitern und dem Vorstand werden Informationsveranstaltungen durchgeführt, um auch die Öffentlichkeit über unser Angebot und unsere Möglichkeiten aufzuklären.
Gerade im ländlichen Raum wissen viele Menschen kaum etwas über unsere Hilfsmöglichkeiten oder meinen, es beträfe sie nicht.

Um noch stärker das Thema Hospizarbeit in das öffentliche Bewusstsein zu rücken, haben wir deshalb zum 10. Geburtstag unseres Vereines einen Fotowettbewerb ausgeschrieben, bei dem wir fast 100 Fotos eingesandt bekommen haben zu den Themen:
„Unterwegs“„Begleitung“ – und „Abschied“
Die Prämierung und Ausstellungseröffnung erfolgte am 15. September 2007 in der Kreisbibliothek Eutin mit mehr als 100 Gästen.
Im Rahmen dieser Geburtstagsveranstaltung mit Akkordeonmusik, Festreden und einem Improvisationstheater bedankte sich der Vorstand bei allen, die in den letzten 10 Jahren der Hospizinitiative Eutin e.V. die Treue gehalten haben und das angeregte und lebendige Vereinsleben auch weiterhin bereichern.

Der Vorstand hatte zum Jubiläum ein attraktives Programm zusammengestellt:

5. Sept. 2007, Sankt-Elisabeth-Krankenhaus Eutin, Vortrag und Gespräch mit
Hannelore Ingwersen, Flensburg, Leiterin Katharinenhospiz und Trauerbegleiterin
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde !“ - Die verborgene Kraft von Abschied und Trauer entdecken.

12. Sept. 2007, Kreisbibliothek Eutin,  Marion Knaths aus Hamburg liest aus ihrem Buch „Vom Krebs gebissen“, in dem sie selbst als Betroffene ihre wichtigen Erfahrungen aus der Zeit ihrer Krebserkrankung auf sehr eindrückliche Weise beschreibt.

14. Sept. 2007, Kreishaus Eutin, 
Vortrag „Noch einmal sprechen vom Glück der Hoffnung.“ - Die Kraft der Hoffnung in der Zeit des Sterbens und der Trauer, Dr. Daniela Tausch, Bremen
Alle Aktiven in der Hospizarbeit kennen die Autorin von Standardwerken der Hospizliteratur.
Wir haben Frau Dr. Tausch im Januar 2006 persönlich kennengelernt, weil sie bei uns einen eindrucksvollen Workshop zum Thema „Selbstfürsorge – Burn-Out-Vorbeugung“ geleitet hat.
Frau Dr. Tausch ist Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin und hat zahlreiche Artikel und Vorträge veröffentlicht,  war in Rundfunk- und Fernsehsendungen.
Sie war Initiatorin und 10 Jahre lang Leiterin des Stuttgarter Hospiz-Dienstes. Seit 1997 arbeitet sie in eigener psychotherapeutischer Praxis, sowie auch in Seminar- und Vortragstätigkeit, seit 2001 in Bremen.  
Das Thema des Abends bezieht sich auf das Gedicht von Erich Fried „Bevor ich sterbe“
 Musikalische Begleitung:
Renate Keesenberg, Gitarre, Susanne Wulff-Berte, Gesang           

 21. Sept. 2007, Theater am Schloss, Eutin, Theateraufführung
„Oskar und die Dame in Rosa“ von Eric Emmanuel Schmidt mit dem Theater Wechselbad der Gefühle aus Dresden, gemeinsam mit dem Kulturbund Eutin e.V.

 28. Sept. 2007, Sankt-Michaelis-Kirche, Eutin
Benefizkonzert der Voice Company, Gospelchor der VHS Eutin und KMS OH
in Kooperation mit der ev.-luth. Kirchengemeinde Eutin, ein überwältigendes Erlebnis in der überfüllten Sankt-Michaelis-Kirche.

Daniela Tausch “Noch einmal sprechen vom Glück der Hoffnung”

(Auszug aus einem Vortrag von Dr. Daniela Tausch am 14.9.2007 im Kreishaus Eutin anlässlich des 10. Vereinsgeburtstages)
Hoffnung ist eine Emotion, die sich auf die Zukunft bezieht, insofern könnte man fragen: Kann es überhaupt Hoffnung im Sterben geben? Und in der Zeit der Trauer fühlen wir uns auch um die Zukunft beraubt, worauf können wir dann hoffen?
Bei so schmerzlichen und einschneidenden Ereignissen wie schwerer Erkrankung oder der Verlust eines Menschen geht meistens zunächst eine Zeit der Hoffnungslosigkeit, der Resignation voraus. In dieser Zeit schwanken die Gefühle zwischen Hoffnung und Resignation hin und her. Da hoffen wir manchmal doch noch etwas Lebenszeit geschenkt zu bekommen, vielleicht noch die Einschulung der Tochter erleben zu dürfen und dann gibt es aber auch Zeiten, in denen der Weg zu mühsam und anstrengend erscheint, der Körper zu müde ist und der Wunsch, endlich sterben zu dürfen, stark ist. Viele sind mürbe von den vielen, manchmal nicht enden wollenden Behandlungen, noch müder von der Unsicherheit, wie es weitergeht und der bangen Frage, was denn noch alles auf sie zukommen wird. Sie fühlen sich resigniert bei dem Gedanken, immer weniger zu können, immer schwächer zu werden, immer mehr auf die Hilfe anderer angewiesen zu sein; müde, ihr eigenes Sterben so miterleben zu müssen. Manchmal wünschen sie sich, den gefürchteten Moment des Todes schon hinter sich zu haben.
Wie können wir als Begleiter mit dieser Resignation und Hoffnungslosigkeit umgehen? Es ist wichtig, dass wir diese Gedanken und Gefühle des sterbenden Menschen nicht verurteilen oder ‚weg-trösten’ (das darfst du doch nicht denken, das wird schon wieder, du musst nur wirklich wollen), sondern dass wir uns von dem Leid des anderen treffen und berühren lassen, versuchen, seine Not und Verzweiflung zu verstehen.
Wir brauchen keine Antworten parat zu haben – viel wichtiger ist, dass wir die Zweifel, die scheinbare Sinnlosigkeit mit aushalten und den anderen hierin nicht alleine lassen. Wenn wir es wagen, uns in die Situation des anderen hinein zu versetzen kann es uns helfen, den anderen zu verstehen. Wir uns also ehrlich fragen: Wie würde es dir in dieser Situation ergehen, vielleicht bettlägerig, erblindet und mit Schmerzen? Oder seit Monaten nur noch auf der linken Seite liegen zu können, weil Bestrahlungsschäden das Liegen auf dem Rücken unmöglich machen und zusätzlich noch starke Übelkeit und Erbrechen? Resignation, Nicht-mehr-Können und dann wieder zu hoffen und auch zu planen, können zeitlich sehr nah beieinander sein – so kann in ein und demselben Satz von Hoffnung und Zukunftsplänen gesprochen werden und dann wieder im nächsten Moment von dem Wunsch zu sterben. Diese wechselnden Schwankungen stellen für uns als Begleiter eine große Herausforderung dar. Wir können den Anderen nicht mehr fest einordnen, müssen alle unsere Erwartungen und Vorstellungen loslassen. Wichtig ist, dass wir die unterschiedlichen Gefühle des Sterbenden annehmen.
Und auch in der Trauer gehen wir häufig zuerst und immer wieder durch ein Tal der Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit, die uns alle Kraft nimmt, den nächsten Tag zu bestehen. Wir können keinen Trost finden und wollen auch nicht getröstet sein, denn das würde bedeuten, den Verlust anzunehmen und dagegen wehrt sich unsere Seele bis in ihre Grundtiefen. Wir fallen in Untiefen von Traurigkeit und fühlen uns so allein wie niemals zuvor. Wir erfahren, wie abgründig tief das Gefühl des Alleinseins sein kann. Die Sehnsucht nach dem verstorbenen Menschen können wir kaum ertragen, der Gedanke, den anderen nie, nie, nie wieder zusehen, zerreißt uns im Inneren. Eigentlich müsste die Welt still stehen. Stunden, Tage, vor allem Nächte, sind erfüllt von nie gekannten Einsamkeitserlebnissen. Wir fühlen uns von diesen Gefühlen fast vernichtet. Wir haben den Eindruck, dass unsere ganze Person in Frage gestellt und aufgehoben wird. Wir haben das Gefühl, ohne den anderen auch nicht mehr leben zu wollen. Mit dem Tod des Anderen ist zuviel von uns selbst mit gestorben.
Der Wunsch, nicht mehr weiterleben zu wollen, ist für Menschen, die einen großen Verlust erlitten haben, ganz und gar verständlich und normal. Manchmal hilft in diesen Zeiten intensivster Trauer menschliche Nähe, Verständnis, Weinen-dürfen. Dem Menschen in dieser Zeit kann es helfen, immer wieder Signale seiner Lebensmüdigkeit und Sinnlosigkeit aussprechen zu dürfen und darin angenommen und gehalten zu sein. Es ist ein mühsamer und anstrengender Weg und die Länge macht uns oft ungeduldig und verzweifelt. Da erleben wir, dass es einen Tag lang, eine Woche oder später auch einen Monat lang relativ gut ging, und nun stürzen wir wieder in den Abgrund der Trauer und der Hoffnungslosigkeit, als wären wir nicht schon weiter gewesen. Im Gegenteil, wir haben das Gefühl, es ist schlimmer denn je. Über solche Wellenbewegungen, die so schwer anzunehmen und auszuhalten sind, geht es dann langsam, langsam immer ein Stückchen aufwärts.
Hoffnung transzendiert das Schwere im Hier und Jetzt. Hoffnung ermöglicht ein Vertrauen in die Zukunft, oft wider besseren Wissens, auch wider alle Vernunft. Die Hoffnung ist nicht vernünftig, sondern sie ist risikofreudig. Dadurch gibt sie uns Trost. Hoffnung gibt uns Geborgenheit im Leben.
Wenn ich sage: ‚Ich kann wieder hoffen’, dann heißt das auch: ’Ich bin getröstet, weil ich irgendwo in der Zukunft etwas Besseres ahne’.
(bisher unveröffentlichter Text mit freundlicher Genehmigung der Autorin Daniela Tausch)

März 2007: EutinerInnen im St Christopher´s Hospice in London

Schade, dass der Flug von Lübeck nach London nicht länger dauerte! Wir (Brigitte, Silke, Petra, Angela, Marita) hätten gern unsere Englisch- oder auch unsere Medizinkenntnisse aufgefrischt bevor wir landeten. Abends reichte die Zeit nur noch zum Essen und so blieb das bange Gefühl über Nacht erhalten, wie wir wohl am nächsten Tag den GERMAN DAY AT ST CHRISTOPHER`S überstehen. Wir hatten Glück, einige Referenten hielten ihre Vorträge auf Deutsch, die anderen bemühten sich, langsam zu sprechen – den einen von uns überforderte bisweilen die Sprache, dem anderen fehlte es an medizinischen Vorkenntnissen, aber jeder von uns konnte eine Menge an Informationen mit nach Hause nehmen – seien es Ergebnisse aktueller Studien, Ideen für ehrenamtliches Arbeiten, Vergleich der palliativen Versorgung in England und Deutschland, Aus- und Fortbildungsangebote, Betreuung von hinterbliebenen Kindern und Angehörigen, methodische und inhaltliche Strukturen. Beeindruckend war für mich die Besichtigung des von Cicely Saunders gegründeten weltweit ersten Hospizes mit mittlerweile 48 stationären Betten (ca. 1000 Pat./Jahr), einem Tageszentrum, das jährlich ca. 600 Patienten betreut und einem großen Betreuungsangebot für häusliche Pflege von 500 Menschen. Bei zirka 250 Angestellten und ungefähr 600 Ehrenamtlichen stellte sich uns natürlich die Frage der Finanzierung. Als karikative Einrichtung kommen 37% aus gesetzlichen Zuschüssen, 31% aus Hinterlassenschaften, 21% aus Spenden und der Rest aus anderem, allerdings wird in England die palliative Versorgung von der Klinik abgetrennt, anders als bei uns.

Was uns wieder ganz deutlich wurde: um einem Menschen die letzte Lebensphase würdig und möglichst schön zu gestalten, bedarf es in erster Linie Menschen mit Kreativität und der nötigen Energie dieses Ziel lebenspraktisch umzusetzen. Viele Beispiele in London zeigten uns, dass es oftmals noch Möglichkeiten gibt, einen letzten Wunsch zu erfüllen, wir müssen nur die Grenzen in unseren Köpfen und Herzen überwinden.

Auch der Rückflug war zu kurz, es gab so vieles gemeinsam zu verinnerlichen.